Wie bereits erwähnt, vollzog sich der Wagenbau über mehrere Monate hinweg auf dem Hof des Bauern Kempen. In der Werkstatt von Heinz Decker konnten Holzlatten, Bretter und andere Dinge entsprechend nach Maß geschnitten und zusammengebaut werden, ehe sie dann am Wagen selber befestigt wurden. Durch die Werkstatt bedingt verlagerte sich der Wagenbau auch zusehends vom Hof weg hin zur Werkstatt. Vor allem in den kühlen Wochen vor Karneval konnte man der Kälte entfliehen, die zwar durch den Genuss von geistigen Getränken gemildert wurde, nichts desto trotz aber auch stören konnte.

 

  Die Geselligkeit beim Wagenbau ist nie zu kurz gekommen, auch wenn so mancher „Kurzer“ dran glauben musste. In den ersten Jahren wurde musiziert und vor allem gesungen. Je „kürzer“, desto „Lauter“ hieß das Motto.

 

1977 - auf dem Hof Kempen - Beginn des Umzugs durchs Dorf
1977 - auf dem Hof Kempen - Beginn des Umzugs durchs Dorf

 

 

 Eines wurde von Anfang an bis Ende der 70ér Jahre immer auf dem Hof Kempen gepflegt: Das sogenannte Prinzensessen.

Am Karnevalssamstag trafen sich alle Mitglieder, teilweise mit deren Kindern und derern Freunde auf dem Hof und es wurde aufgetischt. Dieses stellte quasi den krönenden Abschluss der „Wagenbauzeit“ dar, alles war für den großen Umzug am Karnevalssonntag vorbereitet, es wurden letzte Handgriffe getätigt und man feierte nochmals in geselliger Runde bei Musik, Bier und einem kleinen „Kurzen“.

 Im Anschluss startete von dort der sogenannte „Veedelszug“ durchs Dorf, ab 1974 mit der legendären Bachtaufe.

 

 1979 schied jedoch der damalige Präsident Heinz Decker aus dem Verein aus und man musste sich wieder nach einer anderen Bau-Stätte umschauen, wo die Wagen gefertigt werden konnten. Mittlerweile waren die großen und umfangreichen Bauaktivitäten wie in den 60ér Jahren aus den unterschiedlichsten Gründen zum Erliegen gekommen. Zu wenig Zeit für die Familie, zu aufwendig, keine Lust sind nur einige Beweggründe, nur noch einen Wagen anzufertigen. Mittlerweile waren auch von den Gründungsmitgliedern nur noch einige aktive „Böse Buben“ übrig geblieben, Gesang und Musik bestimmten nicht mehr das alleinige Erscheinungsbild der „Bösen Buben“.

 Der Wagenbau stand nicht mehr im Mittelpunkt des aktiven Daseins der Gesellschaft, das Organisieren von Veranstaltung und das Herrichten des Festzeltes oder andere Dinge, wie das Herstellen der Karnevalsorden in mühevoller Handarbeit, erforderten ebenso viel Aufmerksamkeit.

 

 Daher entschloss man sich, nur noch einen Prinzenwagen anzufertigen. Nachdem die Gesellschaft nochmals auf dem Hof Kempen zu werkeln begann, verlagerte sich der Wagenbau alsbald in die Autowerkstatt des Autohauses Wunsch.

Und hier hatten die Wagenbauer dieselben Probleme wie in der Werkstatt Decker. Zum einen war das Platzangebot für den Wagenbau nicht so großzügig wie auf dem Hof Kempen, aber vor allem mussten die Aufbauten der Prinzenwagen sich an der Höhe der Hallentüren orientieren. Dieses Problem hatte man aber immer berücksichtigen müssen, denn in den Anfangsjahren stellte sich der Zug auf dem Burghof auf und auch dort mussten Höhenbegrenzungen wegen des Torbogens beachtet werden.